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Startrails - auf der Spur der Sterne

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Unter dem Begriff "star-trails" versteht man nächtliche Bilder des Sternenhimmels mit so langer Belichtungsdauer, daß aufgrund der Erdrotation die Sterne nicht mehr als Punkte, sondern als Strichspuren erscheinen. Genauer gesagt entstehen konzentrische Kreise, mit dem nördlichen Himmelspol als Mittelpunkt. Es ist gar nicht mal so kompliziert, um eine derartige Aufnahme zu machen. Als Equipment genügt eine Digitalkamera, ein Stativ, ein Fern- oder Drahtauslöser, ein voller Akku, eine starke Taschenlampe (zum Ausleuchten des Vordergrunds), ein Klappstuhl (um nicht die ganze Zeit stehen zu müssen) und ein paar Stunden Zeit. Als Objektiv bevorzuge ich ein gutes Weitwinkelobjektiv (meist das 10-22mm EF-S von Canon an meiner EOS 7D). Ordentliche star-trails bekommt man bereits ab einer Gesamt-Belichtungszeit von ca. 1h. Dann liegt das erreichte Kreissegment bei 15°. Natürlich macht man nicht eine einzige Aufnahme mit dieser Belichtungszeit, sondern viele -sehr viele- Einzelaufnahmen, die im Zuge der Nachbearbeitung mit einem geeigneten Bildbearbeitungsprogramm überlagert werden. Vorteile dieser Methode sind unter anderem:
- das Rauschen des Kamerasensors bleibt im erträglichen Rahmen
- der Vordergrund wird nicht überbelichtet bzw. kann separat bearbeitet werden
- störende Elemente (z.B. durch das Bild fliegende Flugzeuge) können einfacher entfernt werden
- ein missglücktes Einzelbild (z.B. Scheinwerfer eines plötzlich ankommenden Autos) ruiniert nicht die komplette Arbeit.

Nach meiner Erfahrung eignen sich Belichtungszeiten von 20-30 Sekunden pro Aufnahme am besten für star-trail-Aufnahmen. Bei 30 Sekunden/Aufnahme sind das 120 Einzelbilder für die oben erwähnten 1h Gesamtbelichtungszeit. Es gibt spezielle Programme, die diese Einzelbilder später zusammenfassen. Die bekanntesten sind wohl Startrails und StarStaX. Ich selbst verwende photoshop elements, damit kann ich in einem Arbeitsgang neben der Überlagerung auch störende Elemente aus den Einzelbildern entfernen.

Bei der Auswahl des Motives sollte man prüfen, ob dieses (optimalerweise) in Richtung Norden fotografiert werden kann, dies ergibt die schönsten Kreise. Es dürfen sich zudem keine störenden Lichtquellen in der Nähe befinden und generell sollte der "Lichtsmog" so gering wie möglich sein. Bei Straßen in der Nähe muss man beurteilen, ob Autoscheinwerfer direkt in die Kamera leuchten können und damit das Bild ruinieren. Der Anteil Himmel/Landschaft ist Geschmackssache, 2/3 Himmel und 1/3 Landschaft sind für den Anfang eine gute Aufteilung.

Vor der eigentlichen Aufnahme überprüft man nochmal den Zeitpunkt von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Die Aufnahme sollte frühestens zwei Stunden nach Sonnenuntergang beginnen und zwei Stunden vor Sonnenaufgang beendet sein. Der Mond sollte während der Aufnahme nicht durchs Bild wandern. Ein Vollmond leuchtet den Vordergrund / Motiv gut aus, erhöht aber gleichzeitig den "Lichtsmog". Der Wetterbericht sollte natürlich für den kompletten Zeitraum wolkenlosen Himmel vorhersagen. Dann kann das Fotografieren losgehen. Den Fokus des Objektivs auf "unendlich" stellen (ggf. mit Autofokus den Mond anvisieren), dann auf manuellen Fokus stellen. Die Kamera auf Serienaufnahme stellen, den Bildstabilisator ausschalten, den Spiegel aufgeklappt lassen, mittels ein paar Testaufnahmen den gewünschten Bildausschnitt wählen und dann den Fernauslöser einrasten lassen. Mit der mitgebrachten Taschenlampe kann ggf. bei der ersten Aufnahme dass Motiv angeleuchtet werden. Auch ein externes Blitzlichtgerät kann diese Aufnahme übernehmen. Dann heißt es warten. Ich prüfe während der Aufnahmen zwischendurch, ob das Objektiv beschlagen hat. (Natürlich nicht mit der Taschenlampe während einer Belichtung herumhantieren!). Mir ist es nämlich schon einmal passiert, dass ich eine Stunde lang nur "Milch" fotografiert habe.

Das war mein erster Versuch. 18 Bilder zu je ca. 1 Minute ( f/4 Iso 400 12mm ). Die Bilder habe ich damals noch einzeln ausgelöst und die Zeit mit einer Stoppuhr gemessen. Den Vordergrund habe ich einmalig mit einem externen Blitz aufgehellt. Auch wenn dieser erste Versuch noch ziemlich in die Hose ging, konnte ich doch schon ein paar Erfahrungen sammeln. Knapp 20 Minuten ergeben noch keine gute Sternenspuren, der Lichtsmog rechts ist ziemlich stark (naja, München leuchtet).
Dieses Bild entstand im August während der Jagd nach den Perseiden. Es sind 111 Bilder zu je 30 Sekunden. Der Ort war Breitbrunn am Ammersee, kein Mond stört. Die Ausrichtung war ziemlich exakt nach Norden. Mit Ausnahme des Baumes gibt es keine Landschaft im Vordergrund. ( f/4.5 Iso 2000 12mm ).
Ein weiteres Bild während der Perseiden-Saison. Dieses mal sind es 160 Bilder mit jeweils 30 Sekunden. Auch dieses Bild ist nach Norden gerichtet, zugunsten der Landschaft (es ist das Ufer des Kochelsees) ist der Nordstern jedoch nicht mehr mit im Bild. Eine Perseide dient hier als "Querschläger" ( f/3.5 Iso 1000 10mm ).
Wie im Bild zuvor dient das Ufer des Kochelsees als Vordergrund. Mittels einer Taschenlampe wurde der Vorderrgrund einmalig ausgeleuchtet. Dieses Bild entstand aus 85 Bilder x 30 Sekunden. Wer genau hinsieht erkennt, dass die Sternbahnen bei diesem Bild keine Kreise ergeben. Das liegt daran, dass das Objektiv beschlagen hat und ich zwischendurch versuchte, mit einem Tuch das Objektiv zu reinigen. Das stabilste Stativ kann dabei die Kamera nicht 100% in der Position halten. Memo an mich: Sowas tut man nicht. ( f/4 Iso 1000 11mm ).
Dieses mal ist das Objektiv nach Süden gerichtet. Es ergibt sich nur eine sehr flache Kreisbewegung der Sterne. Zudem stören hier die Lichter mehrerer Flugzeuge das Bild. 79 Einzelaufnahmen jeweils wieder 30 Sekunden. ( f/4 Iso 1000 13mm ).
Der Langwieder See bei München. Hier wurde das 2/3 zu 1/3 Verhältnis zu Gunsten der Landschaft verschoben, um die Spiegelung der Sterne auf der Seeoberfläche mit einzufangen. Im Hintergrund sind die Scheinwerfer mehrerer Autos zu sehen, an der rechten Seite des Himmels zieht die ISS ihre Bahn. 70 Bilder je 30 Sekunden. ( f/4,5 Iso 1000 10mm ).
Die Maria-Dank-Kapelle bei Degerndorf. Das Bild wurde nur durch den Vollmond beleuchtet. Im Hintergrund relativ starker Lichtsmog durch Starnberg und München. Dem Bild sieht man die Gesamtbelichtungsdauer von weniger als 30 Minuten deutlich an. Die Kreisbahnen kommen nicht so zur Geltung. 54 Bilder je 30 Sekunden ( f/3,5 Iso 1000 10mm ).
Kloster Höglwörth. Durch die lange Gesamtbelichtung von 135 Bilder x 30 Sekunden kommen die Kreisbahnen der Sterne gut zur Geltung. Die Sterne spiegeln sich gut in der glatten Oberfläche des Höglwörther Sees. ( f/3,5 Iso 1000 10mm )



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